Baustelle oder Hochzeit?

Gute Frage.

Eine Hochzeit ist ja etwas schönes. Man feiert das Glück eines Paares. Deren rechtskräftige Verbindung zueinander. Man verspricht sich „bis das der Tod uns scheidet“ (wenn man denn auch kirchlich heiratet). Ewige Liebe. Zumindest hofft man das, eine Garantie ist das natürlich auch nicht. In jedem Fall der Regel ist eine Hochzeit aber ein freudiger Anlass.

Sowohl eine Hochzeit als auch eine Baustelle bedeuten Veränderungen. Meist positiv. Auf einer Baustelle bin ich meist diejenige die immer alles sauber halten will, und zwischendurch schon putzt. Obwohl ich genau weiß, in fünf Minuten ist hier der nächste Idiot durch gelatscht. Ich kümmer mich auch immer um das Wohl der Helfer. Organisiere die Verpflegung, wer arbeitet, muss sich stärken. Reiche Dinge an. Meist ist das der einzige Beitrag den ich leisten kann. Früher konnte ich einen Rechner zerlegen und wieder zusammenbauen, und der lief. Selbst das traue ich mir inzwischen in verschiedenen Situationen heute nicht mehr zu. Man wird eben alt. :shock: Ne Schmarn, ist einfach schon zu lange her, das ich dass das letzte Mal gemacht habe. Was ich damit sagen will ist folgendes: ich bin technisch oder handwerklich nicht unbedingt unbegabt. Aber insbesondere wenn es ans handwerkliche geht, komme ich schnell an meine körperlichen Grenzen.

Gestern haben mein Mann und ich dann endlich das getan, wovon er schon seit Monaten spricht. Wir waren im Fitness Studio. :shock: Man muss dazu sagen, ich habe noch nie in meinem Leben Sport gemacht, wenn man vom Reitsport absieht. Aber wie ich ja kürzlich geschrieben habe, war auch das eher sporadisch. Selbst Schulsport konnte ich nicht machen, weil ich damals Probleme mit meinen Knien hatte. So verbrachte ich das komplette 10te Schuljahr auf der Bank und im 9ten drückte ich mich auch bereits recht erfolgreich. Und die Jahre zuvor, ließen mich immer als eine der Klassenschlechtesten dastehen. Hinzu kam, das ich in früher Kindheit bereits Probleme mit meinem Rücken hatte. Meine Mutter hat mir mal gesagt, das ich eine so genannte Skoliose habe. Welche aber laut Wikipedia nicht meinem Rückenbild entspricht. Wenn man mich nämlich im Profil sieht, habe ich eine S-Form (oben einen „Buckel“ und unten ein Hohlkreuz). Fakt ist, als Kind hatte ich diesbezüglich Krankengymnastik, was alles nur noch verschlimmert hat. Und so laufen, bzw. eine derartige Körperhaltung einnehmen, wir mir damals gesagt wurde, steht dem im nichts nach. Brust raus, Bauch rein, Schulter zurück. Ich habe es versucht. Mit einer ungeheuren Disziplin für eine 8jährige (ich glaube so um den Dreh war das). Ich habe diese Körperhaltung wirklich über eine Woche unter Schmerzen gehalten. Bis mir der Geistesblitz kam, und ich Gott einen guten Mann sein ließ und mich wieder entspannte. Die Schmerzen ließen wieder nach und nach der Gymnastik „normalisierte“ sich die gesamte Situation. Was mich zu der Erkenntnis brachte das ich im Leben keine Krankengymnastik mehr machen werde.

Wie auch immer, nachdem ich mit der Schule fertig war, bzw. nach der 10ten Klasse war Schulsport ohnehin kein Thema mehr. Und so befasste ich mich auch nie wieder damit. Die Bewegung hatte ich dann später in meinem Beruf als Verkäuferin. Seit ich aber nun zu Hause bin, fehlt mir natürlich auch diese. So entwickelten sich im Zusammenhang mit Medikamenten (für meine Migränetherapie) einige Problemzonen. Und da ich denke, das ich irgendwann mal Sport machen muss, einfach weil ich nicht belastbar bin, hing ich mich also an meinen Mann als er sagte er wolle wieder ins Studio.

Wir sind in einem Studio angemeldet, wo man 24 Stunden rein kann. Man hat nicht wirklich einen Trainer, oder jemand der einem einen Plan erstellt. Man kann da einfach die Geräte benutzen. Natürlich ist auch ein Ansprechpartner da – tagsüber. Aber so ein Rund-um-Sorglos-Paket ist das nicht. Wir waren gestern noch in einem anderen Studio und haben uns da beraten lassen, da hätten wir das gehabt. Uns gefiel das auch super. Aber als wir dann den Preis gehört haben, war schon fast klar, das können wir uns nicht leisten. Die nette Dame sagte uns dann, die Krankenkasse würde das übernehmen, zumindest zum Teil. Als ich später mit unserer Krankenkasse telefonierte, hatte ich die Inkompetenz in Person erwischt. Mit dem Ergebnis, das sie vorgefertigte Antworten vorlas, die auf meine Fragen am ehesten zu trafen, sie aber in keiner Weise eindeutig beantworteten. Schließlich soll ich nun „mal was zugeschickt“ bekommen. Zum Schluss wünschte sie mir noch ein schönes Wochenende, wo ich ihr dann mitteilte, das sie sich das an den Hut stecken kann. Wirklich schade. Denn das Studio gefiel mir sehr gut. Und die Beratung war sehr nett und kompetent. Gerade ich, mit meiner Angst, fühlte mich da gut aufgehoben.

Wie dem auch sei, mein Mann und ich gehen nun dreimal die Woche ins Studio und das für 17 Euro im Monat pro Nase. Mehr ist einfach nicht drin. Und was soll ich sagen: es hat Spaß gemacht. Ich fühlte mich gut. Sicher, es ist anstrengend, aber ohne Fleiß kein Preis, richtig? Und was soll ich sagen, der Muskelkater hält sich in Grenzen. Wirklich, ich habe es wesentlich schlimmer erwartet. Nachdem ich da gestern ein „Ganzheitliches Training“ gemacht habe. Ich habe wirklich jedes Gerät probiert, welches für mein „Ziel“ geeignet war. Immer unter der Anleitung meines Mannes. Der fand das mitunter irre witzig. Ist natürlich demotivierend. Aber ich lasse mich da nicht beirren. Mir reicht es mit meiner Gesundheit. Ich erhoffe mir ja auch, durch eine gewisse Fitness, eine gesundheitliche Besserung.

Was nun die Frage, ob Baustelle oder Hochzeit betrifft: Im Augenblick bin ich irgendwie im Multitasking-Fieber. Ich sortiere gerade das „Büro“. Was im wesentlichen bedeutet, ich erledige Papierkram. Sortiere Papiere ein (Versicherungen, Banken, Rechnungen und was sonst noch so angefallen ist). Da ich das schon einige Monate *hüstel* nicht mehr gemacht habe, ist da natürlich eine Menge zusammen gekommen.

Außerdem bewerbe ich mich derzeit mal wieder fleißig. Angespornt durch diese Wiedereingliederungs-Maßnahme in die mich die ArGe gesteckt hat. *würg*. Man guckt zwar immer die Stellenanzeigen in Zeitungen oder online, oder man hält die Augen in der Stadt auf, aber Initiativ habe ich mich recht selten beworben. Und es ist ja nicht so, als würde das nichts bringen. So bin ich schließlich damals auch bei dieser großen Media-Kette als Kassiererin gelandet (nein, nicht die „Roten“!!). Mal sehen, was davon was wird.

Außerdem hänge ich derzeit beim Projekt 52. „Lebensmittel richtig präsentieren“. Ich hatte zwar schon ein knackiges Salatblatt fotografiert, aber das gefällt mir überhaupt nicht. So bin ich nebenher noch per Regenbogen-Suchmaschine auf der Suche nach Inspiration und Tipps.

Dann ist mir die Woche noch mein Fernstudium Studienführer in die Hand gefallen. Und ich bin derzeit so voller Tatendrang, weil ich ja hoffe demnächst wieder Arbeit zu haben, das sich das evtl. finanzieren lässt. Ich habe also mal einen neuen aktuellen bestellt. Vielleicht sogar was mit Fotografie, wer weiß… ich werde berichten :)

Wo befinde ich mich also? Auf einer Hochzeit oder auf einer Baustelle? Beides. Denn Hochzeit zum einen, weil sich „was tut“ in meinem schnöden Leben. Und Baustelle, weil diese Veränderung mitunter nicht ganz so angenehm ist. Psychisch. Ich nenne es gern mein Psychologisches Defizit, worauf ich nicht näher eingehen möchte. Fakt ist, ich bin in der Hinsicht nicht ganz so „stark“ wie ich mich gern gebe. Was schon zu einer Therapie geführt hat, um das mal zu verdeutlichen, das es sich hier nicht um „Lari-Fari“ handelt.

Ich mache im Augenblick alles auf einmal, und habe tatsächlich ein bisschen Angst den Überblick zu verlieren. Aber ich muss das alles machen, sonst gehe ich ein. Eine Notbremse sozusagen.

Liebe Grüße
Tari

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