von Bären und Wölfen

Ich weiß nicht wo ich anfangen soll… mir liegen die verschiedensten Formulierungen auf der Zunge – oder der Tastatur, wie man will. Aber keine scheint mir auch nur annähernd gut genug.

Ich döste gestern Abend so auf der Couch vor mich hin während die Nachrichten um 20 Uhr liefen. Einmal am Tag versuche ich immer Nachrichten zu gucken. Man kann ja schließlich nicht immer alle Informationen von seiner Startseite im Internet bekommen. Und die lese ich auch nicht immer. Es gibt Tage da mach ich nur das nötigste am PC und da zählt das Lesen der Headlines nicht dazu. Während also die Nachrichtensprecherin vom Milchskandal in China spricht und als nächstes verkündet, das ein großer Politiker eigentlich in dem Hotel essen wollte auf welches die Tage ein schwerer Terroranschlag verübt wurde, stelle ich in Gedanken meinen Plan für den heutigen Tag zusammen. Mit bemüht konzentriertem Blick auf den Bildschirm, damit ich – Multitaskingfähig wie ich nun mal bin – nichts verpasse.

Gerade möchte ich in Gedanken schon wieder die Augen verdrehen weil ich diesen nervenden kleinen Eisbären aus Berlin ausmache, da fällt mir das Bild von Thomas Dörflein auf, welches – grau gefärbt –  direkt neben Knut zu sehen ist. Sofort bin ich zurück im Hier und Jetzt. Und höre Sandra Thier den Tod des Tierpflegers verkünden. Ich kann es nicht glauben, wie alt mag er gewesen sein frage ich mich. Und als hätte der Redakteur es geahnt höre ich „44 Jahre“. Natürlich hat der Redakteur das nicht geahnt, solche Informationen gehören einfach zu so einer Meldung. Und gerade wenn jemand in diesem Alter stirbt fragt man sich, wie das passieren konnte. Mein erste Gedanke war… ein Unfall…. mit den Tieren… hat Knut etwa??!! Die Meldung räumt diesen Gedanken gleich in den Müll… Thomas Dörflein wurde in seiner Wohnung gefunden, und ein Fremdverschulden sowie Selbstmord werden – fürs erste – ausgeschlossen.

Nachtrag am 24. September 2008: Gestern wurde die Todesursache bekannt gegeben. Eine Thrombose die zu einem Herzinfarkt führte.

Ich möchte nicht behaupten das ich Thomas Dörflein besser kannte als andere Fernsehzuschauer. Wirklich nicht. Ich meine, auch wenn man das gern hätte, wenn wir realistisch sind ist vieles gar nicht so wie wir es im Fernsehen sehen. Aber ich bilde mir nun einfach ein, das ich Thomas Dörflein anders kennengelernt habe. Vielleicht ist das falsch formuliert. Ich glaube, ich kannte ihn einfach „früher“. Ohne diesen Medianhype. Was wohl kaum einer weiß ist, das er nicht durch Knut das erste mal ins Fernsehen kam. Unter Tierdokumentations-Fans hatte er sich durchaus schon einen Namen gemacht. Im öffentlichrechtlichen TV gibt es täglich eine Sendung und diese wurde zeitweise in Berlin gedreht. Auch einige Beiträge mit Thomas Dörflein kamen da zusammen.

Ich kannte ihn vor Knut. Aus irgendeinem Grund ist mir das verdammt wichtig.

Ich sah damals den – für mich – ersten Bericht über Knut (was ja früher oder später so kommen musste). Und als ich Thomas Dörflein entdeckte schrie ich direkt auf und erklärte meinem Mann: „Das ist Thomas Dörflein!!“. Verdammt, ich merke mir niemals Namen. Nur Thomas Dörflein und Niki Schirm – um bei den Tierdokus zu bleiben. Warum? Warum habe ich mir Thomas Dörflein gemerkt??

Weil ich ihn heute vor meinem geistigen Auge mit den Wölfen im Gehege sehe. Und ja, ich sehe auch wie liebevoll er mit Knut spielte ohne sich an der Menschenmenge auch nur zu stören. Ich sehe wie er Küken über einen Zaun wirft und Kaninchen. Ein ruhiger, umgänglicher Mann mit der nötigen Hingabe und der richtigen Portion Respekt vor den Tieren.

Er hinterlässt eine Familie… kleine Kinder… eine Frau. Ich wünsche ihnen die nötige Kraft damit umzugehen. Und weil ich fest davon überzeugt bin, das „es“ nach dem Tod noch nicht vorbei ist, glaube ich Thomas Dörflein geht es gut. Möge er in Frieden ruhen.

Liebe Grüße
Tari

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