Pflichtbeitrag?

Muss ich diesen Scheiß auch mitmachen? Wie alle anderen? Mich kotzt das an. Alle reden und schwafeln immer, lächeln… aber nicht weil sie es wirklich so meinen. Nein, sie tun es weil sie so erzogen wurden. „Man macht das einfach so“. Und wenn man dann fragt, warum man das denn „einfach so“ macht, ist man der Buhmann. „Bricht es dir wirklich einen Zacken aus der Krone?“. Das nicht, zumal ich keine Krone trage – mit Verlaub. Ich bin hier also gleich der Arsch der kein Benehmen hat.

Wie oft am Tag, und die Betonung liegt hier auf „Tag“ sagt man Dinge weil sie einem ins Blut übergegangen sind. Es fängt an mit „Guten Tag“. „Ich wünsche Ihnen einen Guten Tag“. Nicht das ich nicht gönnerhaft bin oder anderen schlechtes wünsche. Das tue ich wenn, nur aus triftigem Grund. *hehe*. Aber was interessiert mich der Tag des anderen? Ob er gut oder schlecht ist. Ich füge niemandem absichtlich Schaden zu. Bei allem was ich mache, achte ich drauf das andere davon nicht negativ betroffen sind. Denn jeder ist sich selbst der Nächste, ihr wisst schon.

Ein anderes Beispiel ist die Frage nach dem Befinden. „Wie geht es dir?“ Man will die Antwort aber gar nicht wirklich hören. Und hofft auf ein „Gut, danke!“ Antwortet das Gegenüber aber ehrlich und klagt sein Leid – womöglich noch mit einer etwas längeren Geschichte dahinter kommt es zur nächsten Nötigung. Man bekundet sein Mitleid. Weil die Gesellschaft – also wir alle – aber schon so abgestumpft ist, ist hier oft ein Schauspieltalent von Nöten. Und wer das nicht hat entgegnet einfach nur „ah!“ und schaut dabei etwas bedröppelt drein.

Ich verstehe nicht, wie man Dinge sagen kann, ohne sie zu meinen. Als Verkäuferin muss ich das tun, weil mein Chef es so von mir verlangt. Der Kunde sieht nicht mich, sondern er sieht in dem Moment das Unternehmen für das ich arbeite. Gebe ich nicht diese Floskeln von mir, besteht die – gar nicht mal geringe – Gefahr der negativen Propaganda. „Bei xyz sagen `se dir noch nicht mal Guten Tag“.

Für viele Kunden gehört das also zum guten Ton dazu. Verstehe ich. Halte ich mich dran. Weil ich wie gesagt hier nicht für mich persönlich stehe.

Aber privat? Ich schenke mir also heute den – so weit verbreiteten – Weihnachtswünsche-Beitrag. Ich bin ohnehin nicht sonderlich christlich. Ich fände es verlogen und heuchlerisch derartiges vom Stapel zu lassen. Ich freue mich über die paar freie Tage die ich jetzt habe… was andere tun, ist deren Sache.

Aber vielleicht denkt ihr mal darüber nach, was ihr so tagtäglich von euch gebt ohne es wirklich so zu meinen… ist das nicht mal ein weihnachtlicher Gedanke?

In diesem Sinne…

Liebe Grüße
Tari

2 Gedanken zu “Pflichtbeitrag?

  1. Hi,
    lange nichts mehr gehört bzw. gelesen von dir und gerade per Zufall in meinen Tweets entdeckt, dass du wieder bloggst.

    Waren deine freien Weihnachtstage dann gut? ich bin froh, dass Weihnachten vorüber ist und ab Montag geht alles seinen Gang wie auch sonst immer.

    Die Thematik oben, welche du ansprichst, ist sehr wohl bekannt und weisst du also auch wie sehr man in dieser Gesellschaft schauspielern muss. Im Beruf ist es ja sehr verbreitet und man muss sich ja von der besseren Seite zeigen.

    Beruflich kann man ja schon lange nicht mehr „Ich-Selbst“ sein, sondern irgendwelche Regeln befolgen muss. Aber privat, privat ist man das, was man sein will und zum Glück muss man sich bei niemanden für irgendwas rechtfertigen.

    Dann wünsche ich dir einen schönen Sonntag und das meine ich auch so :).

  2. Hey,

    bin gerade über einen uralten Beitrag (oder eher Kommentar von Dir) von Kwerfeldein.de auf deine Seite gestoßen und hab mir einfach den neuesten Artikel durchgelesen – sehr gesellschaftskritisch ;)
    …und auch, wenn ich finde, dass es in dieser Hinsicht schon Ausnahmen gibt, vor allem in den jüngeren Generationen, ist etwas Wahres dran.

    Und es stimmt zwar sehr wohl, dass man jeden Tag vor allem im Berufsleben sehr oft schauspielern muss – sogar so oft, dass es das eigene Bewusstsein teilweise nur noch peripher berührt – und dennoch kann man sagen, dass sich die Gesellschaft diesbezüglich extrem gebessert hat, wenn man sich mal die Situation vor 20, 50 oder 100 Jahren vor Augen führt. Was früher den Lebensinhalt dargestellt hat, sind heute nur noch Floskeln…

    Ich will hier aber jetzt auch nicht seitenweise vor mich hin philosophieren, sondern wünsche Dir stattdessen eine schöne Woche, ich werd hier glaub ich öfter mal vorbeischauen =)

    Tristan

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