Wenn man einschreiten sollte…

Ich halte mich für einen sehr toleranten Menschen. Ich bin auch hilfsbereit wenn ich mich dazu in der Lage sehe. Was ich aber auf den Tod nicht ausstehen kann, sind Menschen die die Grenzen der guten Erziehung überschreiten. Wenn sie vergessen, das auch Obdachlose Menschen sind. Individuen. Mit einer Geschichte. Obdachlose werden nicht arm geboren. In den meisten Fällen suchen sie es sich nicht aus, das Leben auf der Straße. Das ist nämlich hart, verdammt hart, weißt du? Diese Obdachlosen haben einen Schicksalsweg hinter sich, den man seinem ärgsten Feind nicht wünschen dürfte. Die meisten Obdachlosen stinken, stehen vor Dreck, sind oft Dicht bis oben hin. Sie betteln um Geld (oft für Alkohol), sie bitten um Essen. Ich habe es schon mehrfach erlebt, das sich ein Obdachloser sehr über ein Stück Pizza oder einen Becher Kaffee freut (besonders wenn es kalt ist).

Die Kehrseite, und die kennen wir alle, wenn wir ehrlich sind: den meisten Obdachlosen ist Geld lieber. Den Grund vermuten wir beim Alkohol. Wir glauben zu wissen, das „die eh nur Sprit holen“ wollen. Die Alkoholsucht ist eine schwere Krankheit. Sicherlich selbst verschuldet, denn niemand wird gezwungen die Flasche anzusetzen, aber letztlich ist es eine Krankheit. Zugegeben, ich habe ich ein ungutes Gefühl Geld zu geben. Ich selbst hab’s auch nicht dick auf der Tasche liegen um ehrlich zu sein. Ich gebe lieber einen Becher Kaffee oder Tee. Ich habe auch schon mal Pizza geteilt. Bislang war die Freude darüber deutlich zu vernehmen. Ich kann mir aber auch vorstellen, das der ein oder andere darauf griesgrämig reagiert

Warum ich überhaupt darüber schreibe? Ich habe mich vor einiger Zeit sehr aufgeregt. Und bis gestern viel mir das passende Wort dazu nicht ein. Ich hatte es bisher als fehlende Zivilcourage betitelt. Aber es ist das fehlende Verantwortungsbewusstsein. Niemand glaubt dafür zuständig zu sein.

Es gibt in Koblenz einen – den Behörden bereits bekannten – Obdachlosen. Er „treibt“ sich immer in der Nähe das Hauptbahnhofs rum. Für gewöhnlich sitzt er auf einer Bank, einer Gitterbank um genau zu sein. Dabei hat er eine Decke über dem Schoß. Jemand, der nicht von hier ist denkt sicher, vielleicht friert der Mann. Den ganzen Tag sitzen und sich nicht rühren. Naheliegend. Denn man trifft ihn zu jeder Jahreszeit dort an. Aber wenn dieser Mann seinen Pegel erreicht hat, meist mit einer Flasche Wodka, offenbart sich sein Geheimnis. Er kippt zur Seite und alle Passanten können es sehen. Er hat seine Hosen runter gelassen. Warum weiß ich nicht…

Jeder geht vorbei, die Leute gucken von empört bist angeekelt. Aber keiner hilft. Ich gebe zu, besonders als Frau ist es eine heikle Sache, jemanden dann anzusprechen. Bei mir ist das auch schon nach hinten los gegangen. Aber wenn einem das zu gefährlich ist, ruft man Hilfe. Und in Koblenz am Hbf laufen genug Leute rum. Ihr kennt das, wenn man direkt auf Hilfe anspricht („SIE helfen mir jetzt“) ist das effektiver als um Hilfe „zu rufen“. Praktisch, das neulich eine Dame vom Ordnungsamt auf dem Bahnhofsplatz patrouillierte. Diese wollte mich dann abwimmeln mit dem Satz „Ach, der sitzt/liegt hier immer rum“…. Ich wies dann darauf hin, das er medizinische Hilfe brauchen könnte, von den Passanten mit ihren Kindern ganz zu schweigen. Ich bestand dann darauf, das sie eine Ambulanz rief.

Ich weiß nicht, wie es ausging, also ob ihm wirklich was fehlte. Fakt ist, der Krankenwagen hat ihn mitgenommen. Ich bin überzeugt richtig gehandelt zu haben. Weggucken ist nicht meins. Und gaffen auch nicht….Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie man so sein kann; weggucken, oder gaffen,  und dann angewidert sein… ??!! Und nicht handeln? Ich appelliere an jeden der das liest: Seht nicht weg, helft. Und wenn ihr nicht helfen könnt, dann gafft wenigstens nicht auch noch – das ist ekelhaft!

Randnotiz: Ich habe mal im TV bei einer dieser Auswanderersendungen ein Paar gesehen, ein Lehrerpaar mit 7jährigem Kind. Die gingen – natürlich ohne jemals dort gewesen zu sein, geschweige denn sich zu informieren bzgl. Lebensunterhaltskosten etc. pp. – nach Rio wegen eines Jobs. Und buchten eine Touristen Tour, inkl. Führer und bewaffnetem Polizisten, durch eines dieser Armenviertel in Rio de Janeiro. So genannte Favelas. Wie erbärmlich ist das denn bitte?? Eine Touristentour?????? Hallo?!! Bin ich allein mit dem Übelkeitsgefühl das mir da hochkommt?

 

Liebe Grüße
Tari

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