Abschied nehmen…

 

… von meinen Mädchen . Ein bisschen spät, sich von den Gilmore Girls zu verabschieden, ich weiß. Aber wie ich bereits erwähnte, hänge ich ein bisschen mit meinen Beiträgen, die ich für mein Blog plane.

Da war sie also, die letzte Folge. (Wer sie übrigens noch nicht gesehen hat, sollte hier nicht weiter lesen, weil ich meine Meinung zum Ende der Serie äußern werde…. also: Achtung, Spoiler!)

In Deutschland begeisterten Lorelai und Rory Gilmore Millionen, und das seit Frühjahr 2004. Und auch ich zählte von Beginn an dazu. Aus beruflichen Gründen konnte ich nicht jede Folge sehen, aber da sie ja ständig wiederholt wurden, habe ich nach und nach alle gesehen. In der Zwischenzeit hatte ich auch die Serie auf DVD und konnte sie mir so mal "am Stück" ansehen in der richtigen Reihenfolge. Als Fan ein Muss :)

Als bekannt wurde, das die Serie eingestellt wird, konnte ich das erst nicht glauben. Denn erfolgreich war sie. Wenn ich mich jetzt recht erinnere, wurde sie aber eingestellt, weil die Chef-Autorin Amy Sherman-Palladino nicht mehr zur Verfügung stand. Gerüchte besagten, sie wolle aufhören weil sie dachte das "Material" sei ausgereizt. Fans sehen das natürlich anders :) Warner Bros ™ überlegte dann einen anderen Autor zu nehmen, man entschied sich dann aber dagegen, weil man befürchtete die Serie könnte an Flair verlieren (möglicherweise nicht ganz falsch). Man darf hier ja nicht vergessen, die Gilmore Girls sind Amy’s Schöpfung. Sie hat nun mal eine eigene Art zu schreiben, dem ein oder anderen dürfte sie auch von der Serie "Roseanne" bekannt sein, wo sie bei einer Staffel mit von der Partie war. Und dutzende andere Serien hat sie ebenfalls geschrieben.

Die Gerüchteküche brodelte natürlich, als die Entscheidung bekannt wurde: "Wie würde die Serie enden?". Würden Luke und Lorelai endlich zu einander finden, wie macht sich Lane als Mum und Ehefrau, wird Rory ihren Abschluss machen und wo wird sie dann arbeiten…. was wird aus ihr und Logan? Wird Lorelai jemals ein "normales" Verhältnis mit ihren Eltern führen können… Fragen über Fragen….

Und tatsächlich, alle diese Fragen wurden bedient. Die ein oder andere mehr schlecht als Recht, beziehungsweise es wurde nur angedeutet. Viele erst auf den letzten Drücker, was den Eindruck erweckte, der Autor hätte nicht genug Drehzeit gehabt, für alles was er noch hätte unterbringen wollen. Ich habe das allerdings nicht als so gravierend empfunden. Sondern war vielmehr damit beschäftigt, nicht laut los zu schluchzen.

Warum aber nun zum Schluss Rory allein – ohne Logan – bleiben musste, habe ich nicht ganz verstanden. Sicher, Logan war am Anfang ihrer Beziehung vielleicht nicht die beste Wahl. Was Richard und Emily (Rory’s Großeltern) anders sahen. Denn schließlich war er ein Huntzberger, aber dabei ignorierten sie, das er ein verwöhnter, arroganter Nichtsnutz war, der nur Flausen im Kopf hatte. Die ihn und Rory in so manche prekäre Lage brachten. Gut, den Vogel hat Rory mit ihrer "Yacht-Entführung" selber abgeschossen. Aber Rory hätte das nicht getan, hätte nicht Logan’s Vater höchst persönlich ein emotionales Tief in ihr ausgelöst, was sie letztlich auch dazu bewegte, ihr Studium abzu- (später stellte sich raus, es war nur unter-) brechen. Aber mit den Jahren wurde auch Logan erwachsen, und solide. Und er war durchaus ein lieber Kerl und kümmerte sich um sie. Ich habe schon verstanden, warum die Trennung folgte, ich hätte anders gehandelt an seiner Stelle, aber gut. Was ich nicht verstehe ist, das er sie überhaupt vor die Entscheidung gestellt hat. Konnte es nicht so laufen, wie bei Paris und Doyle? Nein, Logan bekommt eine Stelle an der Westküste und setzt Rory die Pistole auf die Brust: "Heirate mich und komm mit mir.". Als sie ihm dann sagt, das sie noch nicht bereit ist zu heiraten, was mit 22 durchaus nachvollziehbar ist, außerdem sie selber noch nicht weiß, wie es beruflich für sie weitergeht, sagt er: "Lebe wohl" .  Für Rory ist es privat also nicht so gut gelaufen. Jedoch beruflich hat sie noch ein Happy End gehabt

Zuerst schien es, als bekäme sie keine Stelle. Weil sie eigentlich ein Stipendium haben wollte, für ein weiterführendes Studium lehnte sie die erste Stelle, die ihr angeboten wurde, ab. Als dann auch die Absage für das Stipendium kam und sich zudem dem Absagen auf ihre anderen Bewerbungen häuften, sich geradezu die Klinke in die Hand gaben, geriet Rory schon in Panik. In der letzten Folge hat sie dann noch, ohne Ankündigung und Brimborium, ein "Meeting" mit einem wichtigen Journalisten oder Verlag gehabt. Das wurde nicht genau erklärt. Lorelai erzählte nur beim obligatorischen Freitags-Dinner das Rory nicht kommen konnte, bzw. später kommen würde, sie hätte noch ein Meeting, es ginge um eine Stelle. Als Rory dann später dazu kommt, hat diese dann tatsächlich ein Angebot und auch schon zugesagt. Man höre und staune, bei dem Präsidentschaftskandidaten Barrack Obama. (Ziemlich realitätsnah, wie vieles in der Serie.) Sie soll bei dessen Wahlkampf als Journalistin mitreisen und für ein Online-Magazin schreiben. Durchaus lukrativ. Schade fand ich hier, und da muss ich den Kritikern recht geben, das dieses Szenario offenbar noch rein gequetscht wurde. Denn für gewöhnlich kündigt sich so was zumindest in irgend einer Form an, und sei es, das Rory ihre Mutter anruft, und sagt, sie möge sie doch bei den Großeltern entschuldigen << dies fiel ganz flach.

Weniger wichtig, für mich als Fan, aber erwähnenswert war, das Lane sich offenbar in die Rolle der Mutter und Ehefrau gefügt hat. Ein Schlüsselerlebniss machte dies deutlich. Ihr Mann, Zack, bekommt das Angebot mit einer Band zwei Monate auf Tour zu gehen, und die beiden fangen schon an zu träumen, wie es sein wird, mit der ganzen Familie (man beachte, sie haben Zwillinge bekommen), fast jeden Abend in einer anderen Stadt zu sein. Lane kommt hingegen sehr schnell – und auch weitestgehend allein – darauf, das dies wohl nicht möglich sein wird. Und beweist zugleich, das sie auch eine verständnisvolle Ehefrau ist, indem sie Zack die Wahl lässt, ob er allein auf Tour geht. Und ich muss sagen, es steht ihr ganz gut, nicht mehr das flippige Teenie-Girl zu sein, das auf biegen und brechen gegen ihre Eltern revolutioniert. Die zugegebener Maßen sehr konservativ und religiös waren. Aber dieser Wandel deutete sich schon in der 6. Staffel an, und war auch durchaus angebracht. Sonst hätte dieser Witz irgendwann seinen Reiz verloren. Die Entscheidung, das Zack nun für zwei Monate allein auf Tour geht, wurde dann doch gemeinsam gefällt. Und Lane bestärkte ihren Mann auch noch. Denn sie wusste, wie viel es ihm bedeuten würde. Es ist ja nicht so, das Lane nun allein ist, sie hat ja ihre Mutter und Freunde die ihr mit den Kindern helfen, wenn Zack unterwegs ist. Und ein Ende ist darüber hinaus auch abzusehen. Also finde ich, haben sie sich richtig entschieden, diese Chance zu nutzen.

Im Laufe der Staffel konnte man Lorelai immer wieder dabei beobachten, wie sie über ihre Mauer lugte. Wenn man als treuer Fan die kleinen Eigenheiten kennt, die sie zwischen sich und ihre Eltern aufgebaut hatte, war das gar nicht so schwer zu erkennen. Und auch dieser Wandel war längst überfällig. Aber auch Emily, Lorelai’s Mum, begriff immer wieder, was ihre Tochter da eigentlich tat. Nämlich so leben, wie sie es wollte, und das auch noch erfolgreich. Mitunter beneidete sie ihre Tochter sogar. Und genau das war der Punkt, wo ich denke, das Lorelai überhaupt auf den Gedanken kam, wieder einen Schritt zurück in ihre Kindheit zu wagen, und zu erkennen, das nicht alles schlecht und spießig war.

Am deutlichsten wurde dies bei Rory’s Abschlussfeier in Yale.

Ich hatte schon gar nicht mehr auf dem Schirm, das die obligatorischen Freitags-Dinner ja Teil der Vereinbarung waren, Rory’s Ausbildung zu finanzieren. Insbesondere deswegen, weil ihr leiblicher Vater ja zwischenzeitlich geerbt hatte, und die Finanzierung übernommen hatte. Dies wurde mir erst wieder bewusst, als Emily während des Dinners, an dem Rory erst verspätet teilnahm, wehmütig sagte: "Aber es ist doch das letzte Mal".

Auf der Abschlussfeier in Yale – oder war es die Dinnerparty die Richard und Emily zu diesem Zweck gaben? – begannen Lorelai und Emily mal wieder zu streiten. Ich glaube darüber, das Rory sich nach Logan’s Heiratsantrag davon gestohlen hatte, statt ihm gleich eine Antwort zu geben. Und da Lorelai schon angeschlagen genug war, emotional wegen des Abschlusses, sagte sie zu ihrer Mutter: "Können wir das nicht am Freitag beim Essen besprechen". Diese reagierte ziemlich überrascht, weil sie damit nicht gerechnet hatte. Denn die Vereinbarung das dieses Dinner Freitags immer stattfinden würde, war ja nun – mit dem Abschluss – hinfällig.

Also auch hier ein Happy End. Eine der emotionalsten Szenen jedoch war der Abschluss selber. Alle saßen im Publikum auf dem Campus und beobachteten wie die Absolventen ihre Zeugnisse bekamen. Und diese Szene erinnerte nicht nur an Rory’s Highschool Abschluss sondern war auch ein Sinnbild dafür, das nun "Schluss" war. Damals wurde mit Witz und Charme an die Zeugnisübergabe herangegangen, indem sich die Anwesenden immer wieder schluchzend zu murmelten, sie wollen sich zusammenreißen und nicht heulen. Und auch ich verdrückte die ein oder andere Träne. Klingt vielleicht dämlich, aber ich schäme mich nicht dafür. Sind eben meine Mädchen :)

Eine weitere emotionale Szene war, die spontane Abschlussfeier in Stars Hollow. Da die halbe Stadt eigentlich nach Yale kommen wollte, um dabei zu sein, dies aber aufgrund begrenzter Eintrittskarten nicht möglich war, beschloss man eine Feier in der Stadt zu geben, bei der die Feierlichkeiten noch mal nachgestellt werden sollten. ..oO( verrückte kleine Stadt, aber das macht sie liebenswert)Oo.. Die Feier war deswegen dann doch spontaner als gedacht, weil Rory ja ihr Angebot als Online-Redakteurin zu arbeiten schnell annehmen musste, und drei Tage später abreisen musste. Die Stadt war am Boden zerstört, wie sollte man in so kurzer Zeit die ganze Planung umschmeißen – ohne das Rory was davon mitbekam. Hier kam Luke ins Spiel.

Sonst eher der Typ, der mit den Stadtgewohnheiten nichts zu tun haben möchte, und dem eh alles zu wider ist, mobilisiert er diesmal die ganze Stadt aktiv zu werden. Als Location wurde der Dorfplatz auserkoren, da man so viele Leute nur dort auf einmal unterbringen konnte. Hier wurde sich dann auch über Genehmigungen hinweggesetzt, die man so kurz nicht mehr beschaffen konnte. Rory war eben wichtiger. Als sich dann noch raus stellte, es solle am Tag der Party regnen – völlig untypisch für Stars Hollow – nähte Luke des Nachts eine Zeltplane zusammen, bestehend aus allem möglichen: angefangen beim Regenmantel bis hin zu Abdeckplane für Autos. Es war zu schön, als Rory und Lorelai gerade losfahren um eine Runde durch die Stadt zu machen, damit sie sich verabschieden kann. Aber es war niemand da. Wie denn auch, sie waren ja alle auf dem Dorfplatz und trotzten dem Regen, der Sintflutartig nieder ging. Am Dorfplatz angekommen, entdeckten die Beiden dann das Zelt und wurden sogleich mit zwei Regenschirmen vom Auto abgeholt. Alle hatten Tränen in den Augen, und wenn ich mich nicht irre, sogar Luke :)

Kommen wir zur wichtigsten Frage bezüglich des Endes der Staffel/Serie. Finden Luke und Lorelai doch noch zu einander? In Interviews die Scott Patterson (Luke) gegeben hat, äußerte er sich mehrfach darüber, das er nicht glücklich sei, darüber wie es endete. Und er verriet das die Fans wohl enttäuscht werden würden, würden sie darauf hoffen, das Luke und Lorelai jemals wieder zusammen kommen. Das alles wurde gedruckt, kurz nach Bekanntwerden, das die Serie nun ihr Ende findet. Und wenn ich ehrlich bin, darauf habe ich mich auch eingestellt. Insbesondere weil Scott Patterson sich derartig äußerte. Ich dachte: "Gut, dann bist du vorbereitet". Und tatsächlich schien es, nachdem Lorelai in einer "Blitzaktion" Christopher geheiratet hat (Rory’s Dad), als würde hier kein wünschenswertes Ende zu erwarten sein. Aber als sich Lorelai und Christopher dann wieder trennten und sich kleine Annäherungsversuche zwischen Lorelai und Luke andeuteten, keimte die Hoffnung doch wieder auf. Welche sich postwendend wieder verflüchtigte, nachdem Lorelai in Luke’s Diner posaunte, sie habe bei dem Karaoke-Abend nicht für Luke gesungen (I Will allways love you – sehr gut sogar), sondern sei nur reichlich beschwipst gewesen. Was natürlich gelogen war, aber sie wollte Luke eben nicht überfallen. Luke bekam das natürlich mit, und man sah ihm die Enttäuschung geradezu an.

Als Lorelai dann aber auf der Spontan-Party von Sookie erfuhr, das alles nur möglich gewesen war, weil Luke die Nacht über an der Zeltplane genäht habe, flackerte das letzte Mal Hoffnung in mir auf. Ich saß Kerzengerade vor dem Fernseher und drückte beinah die Blutzufuhr meiner Hände ab, so fest habe ich sie ineinander gepresst. Lorelai geht also hin, Luke kommt gerade aus seinem Diner und will zurück zur Party. Ich weiß nicht, wie ich den Blick beschreiben soll, mit dem Lorelai ihn angesehen hat. Dankbar, verliebt, gerührt, sehnsüchtig… hoffnungsvoll? Wohl alles. Sie bedankt sich also, und Luke will in alter Manier abwimmeln, dass das doch selbstverständlich war. Da geht Lorelai auf ihn zu…. und….. küsst ihn! Heurika!! *Die Arme in die Luft schmeiß und ich spüre wie das Blut in selbige zurückkehrt* Das Interview also nur ein geschickter Werbeakt, der auch daneben hätte gehen können? Ich weiß nämlich aus meinem Bekanntenkreis, das einige ernsthaft überlegt haben, die letzte Staffel nicht mehr zu schauen….

Die nächste Szene ist dann, der nächste Morgen. Die Abreise. Lorelai möchte Rory ein paar Weisheiten mit auf den Weg geben, und rät dabei unter anderem, sie solle sich wiederverschließbare Plastikbeutel zulegen, äußerst praktisch lautet die Begründung ..oO(Lorelai eben…nein, "Gilmore Girl" eben :) )Oo.. Aus Angst etwas zu vergessen, denkt Lorelai angestrengt nach, und zählt dabei die unmöglichsten Dinge auf. Zum Schluss bietet sie ihrer Tochter noch einen Pulli an, von dem sie weiß, das Rory ihn immer schön fand. Diese lehnt aber ab und beendet die Philosophiestunde mit dem Satz: "Mum…. du hast mir alles gegeben was ich brauche". Ich wundere mich in dem Augenblick, warum das Bild jetzt so unscharf wird, bis mir dämmert das ich Tränen in den Augen habe.

Fazit: Letztlich finde ich es schade, das die Serie eingestellt wurde, aber die Beweggründe sind durchaus nachvollziehbar. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Jedoch merkt man, das es so eigentlich noch nicht geplant war, gerade weil viele Dinge so überstürzt "beendet" wurden. Wie beispielsweise die beruflichen Aussichten für Rory. Als treuer Fan hat man vermutet, das sie sich in Ruhe zwischen den einzelnen Angeboten entscheiden kann und wird. 

Ich habe so einen Hype das letzte Mal bei "Sex and the City" erlebt. Auch hier bin ich Fan gewesen. Die Fans haben nach einem Kinofilm geschrien, den sie nun demnächst auch bekommen werden. Fraglich ob das wirklich sein musste, und ob es der Geschichte hilft. Denn ein bisschen Phantasie geht dadurch verloren. Ich hoffe nicht, das die Gilmore Girls auch ins Kino kommen. Ich hätte fast gesagt, lasst sie in Frieden ruhen, aber ganz so weit möchte, ich dann doch nicht gehen *rofl*. Es ist gut so, wie es ist, das Ende ist genauso, wie die Fans es sich gewünscht haben und nun soll man einfach die Story abschließen mit dem Wissen, das alle ihr Happy End haben.

Liebe Grüße
Tari

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