Neulich im Wohnzimmer

Puh, heute mal wieder was privates.

Zugegeben, wir nutzen das Wohnzimmer sehr selten. Meist sind wir eine Etage höher in unseren Büro’s. Ins Wohnzimmer gehen wir nur, wenn wir abends essen, und/oder[1. Für manche vielleicht der Inbegriff schlechter Angewohnheiten und entgegen der Erziehung ihrer Kinder: wir sehen fern beim essen. Möglicherweise ändert sich das, sollten wir mal Kinder haben.] zum TV gucken.

Nichts desto trotz, habe ich einen Fabel für’s Dekorieren. Mehr schlecht als Recht, aber immerhin. Ich kenne Wohnungen da existiert nichts persönliches: da würde ich gleich in einen OP-Saal ziehen können.

Als uns also neulich[2. das ist relativ, denn das ist schon vor Wochen passiert.] unsere Schlafzimmerlampe kaputt ging, machten wir uns also letzte Woche auf, eine neue zu kaufen. Die Wahl fiel auf den Schweden unseres Vertrauens, wo die Mitarbeiter sich duzen[3. Ungeachtet dessen, ob sie sich jemals begegnet sind oder nicht. Beispiel: Die Nachfrage in einer fremden Filiale in Ostdeutschland, ob ein bestimmter Artikel dort vorrätig ist. Besonders auffällig, die hiesige Filiale hatte gerade erst eröffnet, und die Dame, Bianca "Hej", kämpfte mit dem Computersystem, was darauf schließen ließ, das sie noch nicht lange dem Unternehmen angehört. Unternehmens-Philosophisch ist es sogar gestattet - afaik - die Kunden zu duzen. Finde ich eigentlich ne witzige Idee, jedoch die "Deutsche Erziehung" hemmt sowohl Mitarbeiter als auch Kunden dies auch in der Praxis anzuwenden. Wenn ein Mitarbeiter sich dann doch traut, umschmiegt meine Lippen immer ein leises Lächeln. ] und angewiesen sind “Hej” zu rufen, wenn sie grüßen.

Wir steuerten also die Lampenabteilung an. Was, auch wieder Unternehmens-Philosophisch, für den zielstrebigen Kunden mit einem langen Fußmarsch verbunden ist. Mein Mann würde mich am liebsten mit Scheuklappen durch den Laden schleusen, nur um sicher zu gehen, das ich nicht noch irgendwas entdecke, was wir unbedingt brauchen könnten. Ich empfinde das natürlich nicht als ganz so schlimm, denn schließlich eilt mir unter Bekannten und Freunden nicht umsonst der Ruf der “FinanzministerIn” in unserer Ehe voraus. Was nicht heißt, das ich hier und da mal stehen bleibe um das ein oder andere Produkt genauer zu begutachten. Hinzu kommt aber, das ich shoppen hasse (!!) «« Ja, ja, ich hasse shoppen. Ich bin die typische Katalogkundin. Klamotten im Laden kaufen, geschweige denn anprobieren?? :shock: Ein Graus!! Witzig hier vielleicht zu erwähnen, das ich beruflich genau die andere Seite gelernt habe: Kauffrau im Einzelhandel[4. Also ne Verkäuferin mit Buchhaltungskentnissen, was sich natürlich nur auf die Theorie bezieht. Denn eine Bilanz kenne ich nur aus Schulbüchern. Und das einzige was hängen geblieben ist: Soll an Haben. :s: ]

Endlich in der Lampenabteilung angekommen, suchten wir also was schickes für’s Schlafzimmer. Wir wollten bei Halogen bleiben, da die Lampe eh nur sehr selten brennt. Und direkt auf einem Kopf[5. Aufbau am Gang vor dem Regal.] offenbarte sich eine Kiste mit genau der passenden Lampe. Der Preis war OK und somit war die Entscheidung schnell gefallen.

Ich habe meinen Mann schon länger genervt, im Wohnzimmer auf Sparbirnen umzusteigen. Zum einen schont das den Geldbeutel und zum anderen die Umwelt. Da unser Wohnzimmer sehr dunkel ist, wegen dunkler Tapete und Vorhängen (die sein müssen, weil sich direkt vor unserem Wohnzimmerfenster eine Bushaltestelle befindet), brennt hier also auch schon mal tagsüber das Licht. Ich lief also schnurstracks durch die Abteilung, obwohl wir das, was wir kaufen wollten, schon gefunden hatten. Stehen blieb ich bei den Kronleuchtern, denn die Lampe, die ich meinem Mann vorher zeigte, gefiel ihm nicht. Auf die Frage meines Mannes “Wofür denn?” folgte die Diskussion ob Sparbirnen wirklich sinnvoll sind. Diese Diskussion umfasste nämlich auch wieder die Schlafzimmerlampe. Hier ließ ich mich dann drauf ein, das wir keine brauchen. Aber im Wohnzimmer wollte ich endlich umsteigen.

Nach längerem Suchen fanden wir dann auch ein passendes Modell und es stellte sich die Frage nach dem Preis. Kein Schild zu finden, weder an der Lampe, noch war ein Karton – mit weiteren Lampen – in Sicht. Schlechtes Zeichen, dachte ich. Denn am Ausstellungsstück fehlte schon ein Glas, und ob das noch irgendwo zu finden war, oder nachbestellt werden konnte, war fraglich.

“Hej” – Wo ist der freundliche Schwede? Eine Abteilung weiter fand ich jemanden, der uns versuchte zu helfen. Aber – oh Wunder – er fand auch kein Schild. Praktisch das der Schwede von Welt mit einem Handtelefon ausgestattet ist. Nach kurzer Rücksprache stand fest, die zuständige Schwedin musste her. Diese tauchte nach wenigen Augenblicken hinter uns auf. Nur um uns mitzuteilen, das sie nur noch das Ausstellungsstück habe, und sie das nicht abgeben könne, weil sie nicht wüsste, ob ihr Chef das nicht schon jemandem versprochen hat. :schmoll1: Zudem erfuhren wir, es handle sich hier um ein Auslaufmodell und das Glas müsste nachbestellt werden, sie wusste aber nicht, ob es ginge. Wir hinterließen unsere Telefonnummer und die freundliche Schwedin versicherte uns glaubhaft das sie sich melden würde, sobald sie mit dem Chef gesprochen habe.

Und tatsächlich später am Tag klingelte das Telefon mit der freudigen Nachricht, wir können die Lampe haben. Der Elektriker würde sie morgen aus der Ausstellung nehmen.

Am nächsten Morgen fuhren wir also direkt hin, nicht ohne uns ein besonders günstiges Frühstück im Hauseigenen Restaurant zu gönnen. In der Abteilung war die Schwedin schnell gefunden. Wir ließen uns den Namen der Lampe geben, damit wir im Kundenservice nachfragen konnten, ob das Glas noch zu beschaffen sei. Lampe hin oder her, wenn das Glas ausbliebe würde ich mir so was nicht ins Wohnzimmer hängen.

Nummer gezogen – wie beim Arbeitsamt :lach: – aber da wenig los war, waren wir nach wenigen Augenblicken schon bei der freundlichen Service-Schwedin. Unter dem Namen konnte sie die Lampe nicht finden. :shock: Hier rückte ich dann mit der Information raus, es sei ein Auslaufmodell. :s: « Das Gesicht, das darauf folgte. Glücklicherweise beherrschte aber diese Schwedin den Computer – im Gegensatz zu Bianca von unserem ersten Besuch – und fand dann doch die Lampe. Gutes Computersystem, denn es war eine Abbildung dabei. Einen vielsagenden Fingerzeig gegen den Monitor und ein Marsch der Service-Schwedin in einen der Büroräume später, hielten wir genau das fehlende Glas in der Hand.

Zurück in der Abteilung verkündeten wir, das wir die Lampe nehmen und wir wurden, samt Kronleuchter, in die Fundgrube geschickt. Die Fundgrube stellte sich als Sammelstelle für Ausstellungsstücke raus, die schon die ein oder andere Beschädigung aufwiesen, oder einfach Einzelstücke waren. Große, rote “30%”-Schilder verkündeten reduzierte Preise. Hier war jedoch kein Schwede in Sicht, und wir irrten etwas verwirrt durch die Abteilung, die im wesentlichen aus einer Art Raum bestand. Nach ein paar Minuten machte ich mich auf zur Kasse, um die Schwedin dort zu bitten, uns jemanden auszurufen. Diese hörte nur “Fundgrube” und wimmelte mich direkt ab, ich müsse “klingeln”. Auf meinen fragenden Blick folgte:” Klingeln Sie hinten an der Tür”. Gesagt, Getan. Nach mehrmaligem klingeln wurde die Schwere Feuerschutztür von einem blonden, jungen Schweden beiseite geschoben, und er hatte schon den Auszeichner in der Hand. Wir hatten mit einer Reduzierung gerechnet, war ja schließlich so abgesprochen (Tipp: wer Ausstellungsstücke kauft, hat gute Chancen beim Einzelhändler eine Reduzierung auszuhandeln, 95% der Händler sind da sehr kulant. Hier gilt natürlich, es muss tatsächlich das letzte “Stück” sein). Als der blonde Schwede uns dann aber einen Preis vorschlug, konnten wir gar nicht weiter handeln. 66, 66% war die Ausbeute :shock: So günstig haben wir noch nie eine Lampe gekauft, zumindest nicht in dieser Qualität/Quantität.

Und um das ganze jetzt zu “verbildlichen” – habe ja nicht umsonst eine teure Kamera – hier die Beweisfotos. Ich habe den Kronleuchter noch mit Damast dekoriert, der von unserer Hochzeitsdekoration noch übrig war. Auf diesem Stoff hat meine Mutter damals mit der Heißklebepistole kleine Röschen und Herzchen geklebt.

Liebe Grüße
Tari

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