Damit das hier nicht in Vergessenheit gerät fahre ich jetzt mal mit meinem Bericht fort. Ausserdem bin ich mir sicher – auch wenn keinerlei Kommentare diesbezüglich oder generell kamen – das den ein oder anderen das „Ende“ interessieren könnte.
Die Gruppen verschwanden also nach und nach im Sprechzimmer, um dann Minuten später begleitet von einer freundlichen Frauenstimme das Zimmer wieder zu verlassen. Die Leute pressten dabei beide Hände auf die Ohren, wie uns zuvor gesagt wurde. Die Frauenstimme rief gleichzeitig die nächste Gruppe rein, wobei die Größe variierte… „die nächsten drei bitte“… „die nächsten sieben bitte“.
Ich hatte mein Päckchen schon leer geraucht – alles genau getimed – so das ich bei meinem Mann zwischendurch den ein oder anderen Zug an der Zigarette nahm. Diese Zigarette wiederum schnorrte er bei unserer Begleitung, denn auch er hatte sein Päckchen schon leer
Etwa gegen halb eins inhalierte ich das letzte Mal den blauen Dunst. Dummerweise vergaß ich auf die Uhr zu sehen, oder ich habe drauf geguckt und habe die Zeit vergessen. Denn ich gucke öfter auf die Uhr, ist ne Angewohnheit
Aber so Pi mal Daumen kommt das hin mit der Zeit. Schließlich wurden wir gegen zwanzig vor eins rein gebeten – in einer Gruppe von 7 Leuten diesmal. Die freundliche Frauenstimme entpuppte sich als die äußerst charmante und höfliche Ehefrau des “Guru’s”. Sie klärte uns nun über den weiteren Verlauf auf. Zuerst mussten wir ein Formular ausfüllen mit Angaben zu der Menge die wir rauchten, welche Medikamente wir nahmen, ob wir Allergien haben und und und …
Mit diesem Formular ging es dann ein Zimmer weiter, diesmal einzeln zum “Guru” selbst. Dieser schaute einem in die Augen, gab einem die Hand und lächelte. Und das bei der Fließbandarbeit in dieser Praxis – wirklich beeindruckend. Nun besprach man das was man ausgefüllt hatte. Bei mir ja nun nicht ganz so einfach. Ich nehme verschiedene Medikamente, Allergien habe ich auch (die aber meine geringste Sorge waren, weil es sich hier nur um Nickel und Zinn-Chlorid handelt) und meine Diagnosen dürfen hier eben auch nicht ignoriert werden. Da ich zwei Tage vorher bei meiner Hausärztin war, und diese mir nur sagte, das meine Schmerzpatient- und Migränediagnose von Belang sein könnten, hatte ich tatsächlich Angst, ich könnte die Therapie nicht machen. Aber das sagte sie ohne überhaupt genau zu wissen, worum es bei dieser Therapie genau geht bzw. was genau passiert. Denn wirklich interessiert schien sie leider nicht. Im Gegenteil, sie belächelte das sogar ein wenig. Was ich ehrlich gesagt, sehr schade finde. Selbst wenn sie nicht dran glaubt – und das muss man letztendlich irgendwo – hätte sie meine Sorgen wenigstens Ernst nehmen können. Hier fühlte ich mich tatsächlich das erste Mal nicht gut aufgehoben bei meiner Ärztin – wo ich doch so begeistert von ihr war. Das war ein echter Dämpfer ins unser beider Verhältnis.
Tatsächlich schaute mein Guru bei meinen Diagnosen und Medikamenten genauer hin und erklärte mir dann, das ich mir keine Sorgen machen brauche und sah mir dabei fast hypnotisierend in die Augen. Ich war aber so aufgeregt, das mir das erst später auffiel *lach*
Nun zückte er die Spritze aber die schaute ich mir schon gar nicht mehr genauer an … Das Desinfizieren war ja noch angenehm, aber die 8 – 12 Stiche in die Ohrmuschel die dann pro Ohr folgten, waren weniger angenehm. Die Substanz die einem injiziert enthält ein 0,5%iges Lokal-Anästhetikum. Tatsächlich spürte man das Quaddeln nicht mehr, falls er es denn gemacht hat *schulterzuck*. Aber die Einstiche haben schon gereicht. Dieses Foto zeigt mein linkes Ohr wenige Minuten nach der Behandlung.
Falls man jetzt schon ein Fazit ziehen kann, und das kann man nach 66 Tagen mal versuchen. In der Tat schreibe ich an diesem Beitrag bereits seit dem 12. Juni. Zum einen weil mir ein bisschen die Zeit fehlt, ich hatte diesbezüglich ja schon was gebloggt. Und zum anderen weil ich immer noch die Wirkung beobachte.Sowohl mein Mann als auch ich verließen die Praxis mit dem typischen Gefühl einen Rauchers: “Jetzt eine rauchen”. Weswegen sich bei mir der Gedanke einschlich, das es sich hier um einen Plazebo handelt. Natürlich weiß ich, das ein Mittel keinen Schalter sein kann. Sprich wenn es einmal verabreicht ist, denkt man fortan nie mehr an Zigaretten oder verspürt nie wieder den Drang eine zu rauchen. Ich muss an der Stelle aber zugeben, das ich ein bisschen darauf gehofft habe. Moment, nicht lachen, ich erkläre das gern. Richards 1 Schwiegersohn war ebenfalls starker Raucher. Etwa das Pensum meines Mannes, ca. eine Schachtel am Tag. Also mehr als ich. Und er erzählte, er habe seit der Spritze überhaupt kein Verlangen mehr gehabt, er habe noch nicht mal daran gedacht. Und so hatte ich ein bisschen gehofft, das sich dieser Effekt bei mir auch einstellt. Zugegebenermaßen war es jetzt nicht so das ich hektisch und sabbernd durch die Gegend gerannt bin – etwa wie ein Junkie – und jeden Krümel Tabak zusammen gekratzt habe um mir dann anhand eines Papierbogens und Speichel meine Dosis zu verabreichen.
Es ist eher so wie heute manchmal auch noch. Über zwei Monate als Nichtraucher. In gewissen Situationen denke ich, ich könnte einen rauchen. Aber ich muss betonen, nicht weil mein Körper danach verlangt sondern einfach weil „ich es immer so gemacht habe“. Die Gewohnheit. Heute ist es natürlich weniger. Aber hin und wieder schießt mir der Gedanke durch den Kopf, was ich dann immer wieder entsetzt feststelle. Ein Beispiel: Während der Hausarbeit lege ich mir meine nächsten Schritte zurecht. „1. Spülmaschine anstellen, Wäsche hoch in den Trockner bringen, vorher den Wasserkocher anstellen für einen Cappuccino und dann eine rauchen.“ « « « Halt, ich rauche nicht mehr.
Seit ich nun die neue Stelle habe hat sich allerdings noch eine andere Situation dazu gesellt. Und genau die ist mein größter Feind – wie die eines jeden ehemaligen Rauchers. Nämlich die Situation in der man nervös ist oder Angst hat. Auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch stand ich vor der Ladentür und dachte: „Normalerweise würde ich jetzt noch eine rauchen.“ Oder wenn ich jetzt, wo ich den Job habe, zur Arbeit gehe. Da das ja nur 1 – 3 Mal die Woche ist, fehlt die Routine und ich bin vor der Arbeit immer nervös. Sobald ich dann im Laden bin, ist alles wieder ok. Ich habe hier Dummerweise ein kleines Trauma befürchte ich, was von dem Lebensmittel-Discounter kommt bei dem ich vor ein paar Jahren mal gearbeitet habe. « « « Anderes Thema.
Bei letzterem habe ich das Gefühl es ist ein bisschen Körperliches Verlangen dabei – wobei das dann aber eher von der Psyche kommt. Was sich dadurch bestätigt das ich mich selber zu Recht weisen kann und mich daran erinnere das ich nicht mehr rauche. Alternativ habe ich mir jetzt etwas homöopathisches in der Apotheke geholt was mir bei der Nervosität hilft/helfen soll.
Soviel zu mir. Kommen wir zu meinem Mann. Wir machten diese Therapie ja gemeinsam und irgendwie haben wir uns hier missverstanden. Was gar nicht so untypisch ist für uns beide. Denn wenn ich aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen aufgehört habe, hatte mein Mann nur die Dollarzeichen in den Augen. Ich möchte dazu sagen, das sich dieses „gesundheitlich“ schlimmer anhört als es ist. Ich habe durch das Rauchen keine akuten gesundheitlichen Probleme gehabt. Aber ich habe das Bewusstsein das Rauchen generell ungesund ist. Möglicherweise auch dadurch, das ich vor Jahren bereits einmal erfolgreich aufgehört hatte. Nach acht Monaten fing ich jedoch aus – und jetzt Achtung – Langeweile wieder an. Ich wusste aber noch wie ich mich körperlich fühlte, als ich Nichtraucher war. Nämlich insgesamt fitter und dynamischer.
Irgendwie war ich davon ausgegangen das mein Mann die gleichen Beweggründe hatte. Insbesondere durch den Umstand das er mir zustimmte als ich meine Gründe nannte, spätestens aber als wir uns im Fitness Studio anmeldeten. Tja, hier hatte ich mich wohl geirrt. Nachdem mein Mann nach zwei Wochen wieder arbeiten ging bemerkte ich immer öfter einen Nikotingeruch an ihm wenn er nach Hause kam. Ich schob das zuerst auf die Kollegen. Ich wusste ja wie es in der Firma läuft und wie die Räumlichkeiten sind, schließlich hatte ich auch mal dort gearbeitet. Eines Tages fuhren wir jedoch zum Einkaufen oder so. Ich hatte meinen Kuli zu Hause vergessen und suchte nun einen im Auto. Dazu öffnete ich die Mittelkonsole und dort lag sie. Die Zigarette. Ich schmollte den Rest des Tages und versuchte mich zu beruhigen. Letztendlich brach ein heftiger Streit aus zwischen meinem Mann und mir. Zuerst behauptete er nämlich die Zigarette habe er schon seit Wochen dort. Nur für den Fall das er hätte rauchen wollen. Bis er mir dann irgendwann gestand das er täglich eine halbe bis ganze Zigarette qualmte. Inzwischen sind es zwei Zigaretten pro Tag. Was mich sehr ärgert.
Ich frage ihn immer wieder ob und wann er denn nun aufhören möchte mit dem Rauchen. (Hier im Haus wird übrigens nach wie vor nicht geraucht – ich mag den Geruch nicht mehr). Er antwortet immer er würde irgendwann aufhören. Er habe einfach Lust zu Rauchen.
Ich werde das weiter beobachten.
- der starke Raucher aus dem ersten Teil des Guru-Berichtes ↩
Tari
Das hier, könnte dich auch interessieren...
Aktuelle Stimmung...
kränklich und...
nachdenklich und...
Ohne Worte und...
Schockiert/überrascht und...
verwirrt.

















