Browsergame mal anders?
[Trigami-Review]
Während ich diese Zeilen hier schreibe, wachsen und gedeihen meine Möhren, mein Getreide und Gurken auf meiner eigenen Farm. Oder wie Oma sagen würde: “uff’m Bauernhof”. Als Kind habe ich schon davon geträumt auf dem Land mit Tieren zu leben. Die Realität holte mich schnell ein. Bereits als zehnjährige begriff ich, dass das mit viel Dreck und harter Arbeit verbunden ist. Aber ein bisschen Kind bleibt man doch immer, oder? Schön das es da die Möglichkeit eines eigenen Bauernhofs ganz ohne Dreck und mit wesentlich weniger Arbeit gibt.
Zwar nur virtuell, dafür gibt sich der Anbieter größte Mühe authentisch zu sein. Die meisten von uns dürften den Werbespot schon mal gesehen haben. Angelockt von lieblicher Grafik und dem charmanten Witz in diesem Spot, stand ein Test dieses Browsergames schon länger auf meiner ToDo-Liste
.
Hat man sich also erst auf My Free Farm angemeldet, ich wählte unwichtigerweise mal Server 10, gehts auch gleich los. Ein Schwein (was sonst?) begleitet mich bei den ersten Schritten als Farmer oder um in Oma’s Fachjargon zu bleiben: als “Buur”. Der Inhalt ist schnell erzählt: Ich bin der Bauer (oder wie es eben im Spiel heißt, der Farmer
). Eigenartigerweise dargestellt als kleines Schwein. Meine Aufgabe ist es, Getreide und Gemüse anzubauen und diese zu verkaufen. Mit dem erzielten Ertrag baue ich meinen Bauernhof (die Farm) aus. Die Viehzucht kommt z. B. später noch hinzu. Ab Level 2 hat man beispielsweise schon ein paar Hühner die, wenn man sie füttert, ihre Eier legen. Man arbeitet sein “Unternehmen” also nach oben. Und der Spaß- und Suchtfaktor ist hierbei zu 100% gegeben. Um das Geschäft am laufen zu halten, kommen täglich so genannte “Farmis” vorbei um am Marktstand, der sich direkt auf dem Bauernhof befindet, einige der Waren zu kaufen. Eine weitere Möglichkeit um seine Güter los zu werden, ist der Wochenmarkt. Dieser findet sich im nahe gelegenen Dorf, den man mit dem Bus erreicht.
Im Dorf findet man auch einen Viehhändler, einen Laden um Saatgut zu kaufen und den Baumarkt. Außerdem ein Schwarzes Brett an dem Wettbewerbe und Statistiken veröffentlicht werden. Der letzte Wettbewerb rief z. B. dazu auf so viele Erdbeeren wie möglich anzubauen (möglich ab Level 4). Die 3 erstplatzierten am Ende der vorgegebenen Zeit (hier der 6. August) erhielten einen “Schweinchenpokal” für ihren “Zieracker”. Eine Auszeichnung also, die jeder im Spiel bewundern kann. Ruhm und Ehre sind also das Ziel.
Böse Zungen behaupten, man könne in diesem Spiel nichts erreichen ohne einen kostenpflichtigen Premium Account. Es geht sicherlich schneller damit, soviel steht fest. Denn hier hat man dann z. B. Sonderfunktionen im Ackerbau zur Verfügung. “Alles auf einmal ernten” und “Alles auf einmal gießen” darf man zwar schon mal testen, aber ab Level 10 soll man dann dafür bezahlen. Ganze 4 € im Monat… Viel zu teuer für ein Spiel, bei dem man die meiste Zeit tatsächlich wartet. Nämlich das man ernten kann. (Erdbeeren brauchen z. B. 8 Stunden oder Radieschen 4 Stunden. Getreide braucht sogar 20 Minuten und Tomaten ganze 10 Stunden.) Aber selbst wenn der Anbieter sich jetzt überlegt, es den Premiumkunden einfach zu machen, und dort die Wartezeit verkürzt oder gar streicht, würde ich nicht dafür zahlen. Aus Prinzip nicht. Denn im Vergleich zu anderen Onlinegames – ohne Namen zu nennen – bekommt man mehr geboten.
Die Interaktion im Spiel mit anderen Teilnehmern beschränkt sich auf den Marktplatz. Hier ist der einzige Ort im Spiel wo man ihnen begegnet und anhand der Namen – denn mehr sieht man nicht – mit ihnen über das spielinterne Mailsystem in Kontakt treten kann. Aber wozu? “Danke für deinen Einkauf” ? Ziemlich blöde. Leider macht dass das Spiel sehr langweilig. Gerade weil man die langen Wartezeiten bis zur Ernte immer hat. Hier könnte man bequem quatschen und sich austauschen. Aber dafür extra ins Forum gehen ist nicht das gleiche, obschon dieses bei Hilfestellung sicher die erste Anlaufstelle ist. Ich habe mich dort jetzt nicht angemeldet, hatte keinen Bedarf. Aber beim rum klicken erschien es mir sehr übersichtlich.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Bildaufbau im Spiel selber. Hatte ich an meinem Desktop PC alles schön im Blick, musste ich an meinem Laptop mit Widescreen umständlich scrollen um bis zum unteren Ackerbereich zu kommen, oder um die Farmis (die Kunden auf meinem Bauernhof) zu sehen. Ein weiteres Technik-Detail: geht es nur mir so, oder hat sonst noch jemand keinen Ton? Anhand der TV Spots und des Videos hatte ich mit Farm-Sound gerechnet… gackernde Hühner, tuckernde Traktoren, zwitschernde Vögel …
Obwohl ich soviel kritisiere: ich werde es wohl weiterspielen. So zwischendurch. Und wäre ich nicht so diszipliniert wäre ich wohl genau die Zielgruppe auf die es der Anbieter anlegt. Denn der Grund warum ich weiter spiele heißt “innerer Schweinehund” aka “Ehrgeiz”. Hier lassen sich viele verführen für einen Premiumzugang zu zahlen, damit es schneller geht. Aber wozu? Ich kann nicht kaputt gehen oder getötet werden… es gibt kein Game Over. Vielleicht wenn ich monatelang nicht spiele und meine Geschäfte schleifen lasse, der Acker vertrocknet das Vieh verhungert… Keine Ahnung. Fakt ist, die Hühner z. B. fangen nicht an zu legen, bevor man ihnen nicht mindestens eine Einheit Getreide gegeben hat.
Aber wie definiert sich die Zielgruppe? Ich glaube nicht, das es für Kleinkinder geeignet ist. Vom rechtlichen Standpunkt ganz abgesehen. Denn sobald es an den Premiumaccount geht, muss man Volljährig sein. Ich denke nicht, das Kinder die Geduld haben. Und auch so mancher Erwachsener wird schnell denken: “Kannst mich mal gern haben…”. Der Rest sollte es sich einfach mal anschauen:
Liebe GrüßeTari
25. April 2011 um 19:44 Uhr
Da wird der Blog nur 13,7km von meinem Betrieben, aber bei diesen schönen BG sind wir noch nich über den weg gelaufen.